Die Entdeckung der Gemütlichkeit

Lüdenscheid, 25.10.2010, Eberhard Demtröder WR-Redakteur Florian Hesse testet ein Pedelec (Elektrofahrrad) Pedelec Leihstelle- Stadtwerke/Modell- WattWorld/Bicyclesgarage.de Lüdenscheid. Die gute Nachricht vorab: Mit dem Elektrofahrrad, neudeutsch Pedelec, haben die Berge in Lüdenscheid ihren Schrecken verloren.
Wer das nicht glaubt, kann bei den Stadtwerken anrufen und sich eines leihen (siehe Box). Die WR hatte gestern vorab die Gelegenheit zum Selbstversuch. Das Fazit: Wer nicht die Dynamik von Rennrad und Mountainbike sucht, sondern eine komfortable Möglichkeit, innerstädtische Wege zurückzulegen oder in die Stadt einzupendeln, ist damit glänzend aufgehoben. Nach kurzer Einweisung am Stadtwerke-Betriebshof an der Lennestraße geht’s los. DieRahmedestraße ist ja sonst nicht gerade Radlers Liebling. Jetzt schon. 17 km/h mit Tretunterstützung wie sonst auf gerader Strecke – da braucht es keine Schlangenlinien. Das Selbstbewusstsein steigt. „Bergab ist umsonst“, wissen sportliche Radler. Das gilt auch fürs Pedelec. Bis maximal 25 km/h schiebt der Motor ohnehin nur mit. Da kann man per Tastendruck auf dem Bordcomputer die Elektrik wegschalten und entspannt die Lösenbacher Landstraße runtersegeln. Der siebte Gang der Nabenschaltung reicht für Tempo 40 völlig aus, und das man im Test mehr Gänge überhaupt nicht vermisst, spricht ebenfalls für das komfortorientierte Rad. Auf der Volmestraße holt mich ein Rennradler auf den Boden der Tatsachen zurück: Grußlos zieht er vorbei, die Hände fest in den Unterlenker gekrallt. Dem Berichterstatter ist das egal, er freut sich als Einpendler aus Halver auf seine Hausstrecke. Das ist die Parkstraße, die regelmäßig davon abhält, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Mit dem Pedelec wäre das anders. Zwischen 14 und 18 km/h zeigt der Tacho der Bord-EDV, und zwar ohne Keuchen. Höhe Stüttinghausen brennen erst der Ehrgeiz und kurz darauf die Oberschenkel. Beim Versuch, den Fotokollegen zu attackieren, der auf einem kleinen Motorroller unterwegs ist, besinne ich mit auf die eigentlichen Qualitäten des Pedelecs. Ergo: Runterschalten, raufrollen. So geht das. Wenn die Parkstraße nicht reicht, um den Akku zu quälen, muss es wohl eine richtige Sauerei sein. Die findet sich dann auch. Auf der Augustastraße (17 Prozent Steigung) muss man schon richtig reintreten, damit die Fuhre in Bewegung bleibt. Hier und auch auf der Liebigstraße offenbart sich auch eine fahrdynamische Schwäche: Der Motor in der Vorderradnabe wiegt einiges. Geht man aus dem Sattel, muss man beherzt an den Lenker greifen, sonst wird’s kippelig Der Rest ist stressfrei. Lennestraße oder Schlittenbacher Straße? Kein Problem. Quelle: Westfälische Rundschau ( Eberhard Demtröder)
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